Wenn der Körper eine Pause verlangt
Wir sprechen sehr oft von Höhen und Tiefen, von guten und schlechten Tagen sowie von Zeiten, in denen alles leicht geht, und Momenten, in denen alles stillzustehen scheint.
Doch vielleicht dürfen wir diese Zeiten aus einer anderen Perspektive betrachten. Was wäre, wenn auch die vermeintlichen Tiefen Teil einer natürlichen Bewegung wären?
Stell dir vor, die Sonne würde rund um die Uhr scheinen. Alles wäre hell, wolkenlos und gleichbleibend. Könnten wir das Licht dann noch bewusst wahrnehmen und uns auf den Morgen freuen, wenn die Nacht fehlte?
Die Natur lebt vom Rhythmus. Auf den Tag folgt die Nacht, auf den Sommer der Winter und auf Aktivität die Erholung. Alles bewegt sich in einem natürlichen Wechsel, in einem herrlichen Kreislauf.
Obwohl wir diesen Rhythmus täglich erleben, glauben wir Menschen häufig, unser Körper müsse ständig funktionieren. Müdigkeit, Erschöpfung und Krankheit werden dabei als Störung empfunden, denn wir möchten so schnell wie möglich wieder gesund, fit und vor allem leistungsfähig sein.
Doch unser Körper verfolgt einen anderen Plan. Er begleitet uns bei allem, was wir tun, und möchte uns schützen. Wenn wir erschöpft sind, krank werden oder plötzlich die Kraft fehlt, etwas anzufangen, ist das oft die Sprache unseres Körpers. Er sagt uns: Bleib heute bei mir, lass uns gemeinsam zur Ruhe kommen.
Häufig reagieren wir darauf, indem wir weiterkämpfen. Unsere eigenen Bedürfnisse rücken in den Hintergrund und das Pflichtgefühl erhält mehr Aufmerksamkeit als unser körperliches Empfinden. Natürlich ist es wichtig, unsere Aufgaben zu erfüllen. Die meisten von uns haben ihre Arbeit und müssen Geld verdienen, um leben zu können.
Gerade in diesen Zeiten braucht unser Körper Respekt, Wertschätzung und Rücksicht. Für mich bedeutet das, ihm zu vertrauen und zu glauben, wenn er sagt: Heute brauche ich Ruhe.
Wenn sich bei mir Müdigkeit oder Erschöpfung einstellt, gebe ich meinem Körper zu verstehen, dass die nötige Pause bald da ist. Sobald sich die Gelegenheit bietet, setze ich mich kurz hin, ruhe mich aus, trinke eine Tasse Tee oder höre ein schönes Musikstück.
Auch wenige Minuten können einen großen Unterschied machen. In dieser kurzen Zeit erlaube ich mir, mit gutem Gewissen zur Ruhe zu kommen. Manchmal lasse ich sogar Tränen zu, die fließen, weil mich ein schönes Lied berührt.
Gefühle wollen gelebt werden. Werden sie über Jahre unterdrückt, sucht sich der Körper irgendwann einen anderen Weg, sich mitzuteilen. Vielleicht sind manche Beschwerden genau dieser Versuch, endlich gehört zu werden.
Was wir als Höhen und Tiefen bezeichnen, ist Bewegung: ein natürlicher Wechsel zwischen Aktivität und Regeneration. Beides gehört untrennbar zusammen.
Weißt du, die Sonne bleibt immer bestehen. Manches Mal ist sie verborgen oder scheint gerade auf der anderen Seite der Erde, während wir den Mond sehen. Genauso verhält es sich mit unserer Freude, unserer Kraft und unserem inneren Licht. Sie bleiben in uns erhalten, auch wenn sie zeitweise von Wolken verdeckt werden.
Manchmal braucht unser Körper genau solche Zeiten, damit wir wieder lernen, auf uns selbst zu achten. Müdigkeit, Erschöpfung und vielleicht sogar Krankheit können uns auf diese Weise zur Ruhe führen.
Es ist deshalb an der Zeit, den Satz „Ich muss“ ein Stück weit loszulassen und ihn durch einen anderen zu ersetzen:
Heute höre ich auf meinen Körper, sei es in den nächsten Minuten oder in den kommenden Stunden.
Er arbeitet für mich und verdient meine Wertschätzung.
Herzlichst
