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Wenn Kinder unsere Gefühle spiegeln

Es gibt Begegnungen, in denen ein einzelner Satz plötzlich unwahrscheinlich vieles verständlich macht.

So geschehen in einem Gespräch mit einem jungen Elternpaar, in dem es hauptsächlich um Erschöpfung, Zweifel und auch um das Gefühl ging, den täglichen Anforderungen kaum mehr gerecht zu werden.

Oft glauben wir, dass wir das Verhalten anderer Menschen spiegeln und darauf reagieren.

Besonders bei unseren Kindern scheint es manchmal so, als wären sie die Ursache für unsere Unruhe.

Sehr häufig ist genau das Gegenteil der Fall.

Kinder nehmen unsere Stimmungen wahr, lange bevor wir sie selbst bewusst erkennen.

Und das beginnt schon bei den Babys im Mutterleib.

Sie spüren Anspannung, Unsicherheit, Müdigkeit und Sorgen, auch wenn wir versuchen, sie zu verbergen.

Kinder reagieren nicht auf unsere Worte, sondern auf das, was wir ausstrahlen.

Es lohnt sich deshalb in schwierigen Momenten nicht, zuerst das Verhalten des Kindes verändern zu wollen.

Viel hilfreicher wäre die Frage: Was bewegt mich gerade?

Bin ich erschöpft?

Habe ich Angst, etwas falsch zu machen?

Trage ich ein schlechtes Gewissen mit mir herum?

Was bringt mein Kind dazu, in meiner Gegenwart so zu reagieren, wie es gerade reagiert?

Allein dieses ehrliche Hinsehen verändert oft schon eine ganze Menge.

Sobald wir unsere eigene innere Spannung erkennen und annehmen, kehrt auch im Außen wieder mehr Ruhe ein.

Ein weiterer Gedanke hat mich in diesem Gespräch ganz besonders berührt.

Viele Menschen stellen sehr hohe Ansprüche an sich selbst.

Sie möchten alles richtig machen und beginnen nach jeder schwierigen Situation sofort, sich selbst zu hinterfragen.

Doch unser Leben verlangt keinerlei Perfektion.

Es schenkt uns jederzeit Erfahrungen, und jede dieser Erfahrungen zeigt uns einen neuen Weg.

Manches gelingt sofort, anderes erst beim zweiten oder dritten Versuch.

Entscheidend ist nicht, ob alles perfekt läuft, sondern ob wir bereit sind, aus dem Erlebten zu lernen, uns selbst zu sehen und sogar unsere Kinder als unsere Lehrmeister anzunehmen.

Auch Trauer, Tränen und Momente der Überforderung gehören dazu.

Sie sind kein Zeichen von Schwäche.

Manchmal gleichen wir einem Druckkessel, der über längere Zeit immer mehr Spannung aufbaut.

Tränen können genau dann das sein, was der Körper braucht, um diesen Druck wieder loszuwerden.

Danach entsteht oft eine Ruhe, die vorher nicht möglich war.

Vielleicht dürfen wir uns deshalb öfter erlauben, freundlicher mit uns selbst zu sein.

Weniger bewerten, weniger grübeln, viel mehr annehmen.

Innere Ruhe beginnt nicht erst dann, wenn im Außen alles perfekt geworden oder jede Arbeit erledigt ist.

Sie beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Herzlichst

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